Blühende Umwelt, summende Natur auf dem 55. Hessischen Imkertag 2026

Nach einjähriger Unterbrechung fand der diesjährige Hessische Imkertag in Hofheim statt.

Thomas Krüger vom Landesverband Hessischer Imker e.V. eröffnete den Hessischen Imkertag und begrüßte zahlreiche Ehrengäste vom Hessischen Landwirtschaftsminister Ingmar Jung, den Bürgermeister der Stadt Hoffenheim, Verbandsvertreter der benachbarten Bundesländer und weitere Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.
Wilhelm Schultze als Bürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung begrüßte ebenfalls die zahlreichen Ehrengäste aus der Wirtschaft und Politik.

Der Hessische Staatsminister für Landwirtschaft, Umwelt, Weinbau Forst und Heimat Ingmar Jung wertschätzte in seiner Ansprache die Bestäubungsleistung der Bienen und der verantwortlichen Imker. Arten- und Naturschutz, Biodiversität und Nachhaltigkeit sind alle in der Imkerei inklusive. Das Ministerium propagiert und fördert regionale Produkte aller Art. Insofern unterstützt er auch zukünftig die Belange der Imkerschaft.

Regionale Landes- und Kommunalpolitiker lobten in ihren jeweiligen Grußworten die Bedeutung und den Stellenwert der Imkerei.

Honigkönigin Lea I.

Auch wurden die Hessischen Imkerhoheiten Katharina Sperzel und Lea Flach verabschiedet. Als neue Honigkönigin Lea I. wird zukünftig Lea Schell fungieren. Minister Jung führte die Inthronisierung durch und überreichte die Schärpe. Lea Schell stellte sich dann dem Publikum vor. Sie kommt aus dem Odenwald und war dort mehrere Jahre regionale Honigkönigin des Odenwaldes.

Gesunde Völker-kein Problem?

Paul Jungels, Berufsimker aus Luxemburg präsentierte den ersten Fachvortrag des Tages. Varroa Resistenz durch erfolgreiche Auslese und Zucht ist sein Credo.

Er verzichtet weitergehend auf chemische Hilfsstoffe aller Art und die meisten betriebstechnischen Eingriffe. Er zieht konsequent nur von Völkern nach, die erkennbar ein Varroa resistentes Verhalten zeigen. Andere Völker sterben bei ihm den genetischen Tod. Der Einsatz insbesondere von Oxalsäure im Winter überdeckt diese Unterschiede in den Völkern. Es sind im Folgejahr kaum Unterschiede erkennbar. Verbesserte Bruthygiene ist wichtig und sie muss von Mutter- und Vatervölkern vorhanden sein, damit sich diese Eigenschaften im Rahmen der rezessiven Übertragung in der nächsten Generation wiederfinden.

Er infiziert bewusst Völker mit Varroen und prüft anschließend an den geöffneten Brutzellen das Varroa resistente Verhalten. Varroa resistente Völker finden immer etwas zum Ausräumen und daher sind in solchen Völkern kaum noch große durchgängige geschlossene Brutflächen zu finden.

Konkurrenz trägt Früchte-das Bestäubungsorchester

Dr. Melanie von Orlow, NABU Berlin und Landesverband der Berliner Imker, erläuterte die Bestäubungsfähigkeiten von Honig- und Wildbienen. Honigbienen sind die Langstreckenbestäuber, die bei der verinselten Landschaft auch schon mal über weitere Flächen hinweg fliegen. Der Klimawandel wird zu Veränderungen bei den Bestäubern führen. Verlierer werden die Hummeln sein, die kühlere Temperaturen lieben. Dafür werden andere Bestäuber hinzukommen. Ausführlich erläuterte sie den Lebensrhythmus der weiblichen und männlichen Wildbienen. Bodenbrüter sind 75% aller Wildbienen. Mit den Insektenhotels zum Aufhängen erreichen wir die Mehrheit von Wildbienen also nicht. Hier reicht es vielfach schon aus, einen Sandhaufen aufzuschütten. Einige Wildbienen haben nur einen Lebensradius von 150 m. In diesem Bereich muss alles vorhanden sein was benötigt wird. Eine Chance und Risiko zugleich. Man kann auf engem Raum mit wenig Material erfolgreich unterstützen.

Zum Spektrum des Bestäubungsorchesters gehören aber auch Fliegen, Käfer Schmetterlinge und viele andere mehr. Eine optimale Bestäubung von Kulturpflanzen ist vielfach nicht nur von der Bestäubung eines Insektes, sondern durch eine Kombination von mehreren Arten möglich. Deutlich bessere Erträge sind in solchen Fällen hier nachgewiesen.

Und damit sind wir in der Konkurrenzdiskussion über Honigbiene vs. Wildbienen. Eine differenzierte Betrachtungsweise ist geboten. Völker pro Bienenstand begrenzen tut allen Bienen gut. Am ehesten kommen die Hummeln den Honigbienen nahe und geraten dann in eine Konkurrenz. Durch Interaktionen zwischen Wild- und Honigbienen steigt die Bestäubungseffizienz bei den Obstbäumen. Trotzdem gibt es einige Trachtpflanzen, an denen sich Honigbienen und Wildbienen bzw. Hummeln überschneiden. Honigbienen können ausweichen, Hummeln aber nicht. Honigbienen haben in manchen Regionen einen invasiven Charakter, weil es sie dort seit wenigen hundert Jahren gibt; z.B. in den USA und Kanada. In Europa leben sie aber schon seit Millionen Jahren. Untersuchungen aus den verschiedenen Regionen haben dann verschiedene Ausgangsvoraussetzungen. Wissenschaftlich ist es dann schwierig, solche Untersuchungsergebnisse richtig einzuordnen und zu interpretieren. Die Aufstellung von Bienenvölkern in Naturschutzgebieten ist kritisch zu sehen, wenn in diesem Gebiet ein spezieller Populationsschutz vorhanden ist. Ist das Naturschutzgebiet groß genug, ist aber nicht einzusehen, warum dann noch um das Gebiet ein zusätzlicher Schutzradius gezogen wird.

Hessischer Züchterpreis

Wolfgang Scheele zeichnete Dr. Gilbert Nöll aus, für den besten Königinnenzuchtwert im vorletzten Jahr 2024. Aktuell verzeichnen die Züchter erfreulicherweise einigen Zulauf an Anwärtern in ihren Reihen. Eine gute Voraussetzung, um auch in Zukunft mit guten Königinnen in die Fläche zu kommen.

Empfehlungen der Arbeitsgruppe Vespa Velutina

Dr.Reinhold Siede vom Bieneninstitut Kirchhain berichtet anschließend über die aktuellen Empfehlungen zum Umgang mit dem invasiven Schädling. Nach wie vor gibt es eine Vielzahl von Fehlbestimmungen, auch von Imkern. Das Primärnest erlaubt von seiner Form noch keine eindeutige Identifizierung. Die aktuelle Verbreitung in Hessen erstreckt sich auch in den Norden hinein bis in den Bereich Kassel. Wir haben eine massive Ausbreitung und Verdichtung im Raum zu verzeichnen. Meldeplattform nutzen ist weiterhin geboten und wichtig, auch wenn derzeit nicht mehr sofort durch den Staat vernichtet wird. Um das vielleicht zu verändern, sollte eine vernünftige Dokumentation über die Ausbreitung und deren Schädigungsfolgen erfolgen. Bei den in Hessen untersuchten Völkern konnten im Jahr 2024 keine messbaren Effekte auf die Volksstärke beobachtet werden. Anders im Jahr 2025. Hier konnte an einem Kontrollvolk im Odenwald der schädigende Effekt nachgewiesen werden, bei einem starken Velutinabeflug, also verdichteter Ausbreitung von VV. Auf dem Bodenschieber sind in so einem Fall viele Wachskrümel zu sehen. Daraus leitet sich die Empfehlung ab, die Völker zu beobachten, insbesondere kleinere Einheiten und Vespa velutina vor den Fluglöchern zählen.

Maulkörbe und Fluglochverengungen verhindern das Eindringen von Vespa velutina in das Bienenvolk. Edelstahllochblech stresst Bienen durch abgerissene Beine und Pollenverlust. Sinnvoll ist auch ein Bewuchs direkt vor dem Flugloch. Wenn weniger als 5 Hornissen zeitgleich vor dem Flugloch tätig sind, ist das noch als eher unkritisch zu sehen. Bei höheren Werten sollte man sich überlegen welche Schutzmaßnahmen umsetzbar sind. (Maulkörbe, Kaninchendraht, Bewuchs) Eigene Betriebsweise hinterfragen und ggf. anpassen, keine späten Ableger mehr bilden und Wert auf starke Völker legen.

Vespa Velutina, Vorgehensweise in Bayern

Matthias Meidel berichtet von den bayerischen Aktivitäten. Er kommt aus dem Bezirksverband Unterfranken und berichtet vom erstmaligen Auftreten des Schädlings im bayerischen Spessart. Dort liegt auch aktuell der Hotspot am bayerischen Untermain im Bereich Aschaffenburg. Der bayerische Staat bezuschusst die Entfernung von jedem Velutina Nest. Für ein Primärnest werden € 200 gezahlt, für ein Sekundärnest sind es € 360. Die konsequente Vernichtung in Bayern verlangsamt offenbar die Ausbreitung deutlich. Hier ist aktuell ein Faktor 2 zu verzeichnen. Der Föderalismus darf nicht dazu führen, dass an der Grenze die Zusammenarbeit endet. Eine grenzübergreifende, unbürokratische und praktikable Zusammenarbeit ist angezeigt für eine wirksame Eindämmung. Das höchste Nest war im letzten Jahr auf 46 m Höhe. Der Baum musste gefällt werden.


Zum Abschluss des Imkertages ging ein Dank für die hervorragende Organisation an den Imkerverein Hofheim. Vor und in der Stadthalle wurde den Gästen ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten. Neben verschiedenen Fachhandelsbetrieben, die ihre Produkte anboten, stand der YouBees Anhänger erstmals einer größeren Öffentlichkeit zur Information zur Verfügung.

Christian Schirk, Obmann für Pressearbeit im Landesverband Hessischer Imker e.V.